Über Arbeit und Verzicht
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Über Arbeit und Verzicht

Ein paar Gedanken über unseren Bezug zu den Begriffen Arbeit und Urlaub.

Hinweis: Versteht diesen Text bitte NICHT als allgemeine Kritik an der sehr individuellen Entscheidung, in dieser Phase der Pandemieentwicklung in den Urlaub zu fahren. Ich reflektiere hier nur unseren Bezug zu den Begriffen Arbeit und Urlaub. Danke!

Ich denke, dass man weniger von „Verzicht auf Urlaub“ sprechen müsste, wenn mehr Menschen Spaß und Gefallen an ihrer Arbeit hätten; sie sich mit dem, wofür sie so viel Lebenszeit hergeben wirklich identifizieren könnten.

Aber das schließt gleich an den nächsten Glaubenssatz an: „Es kann nicht immer alles im Leben Spaß machen“. Natürlich kann es das nicht. Aber weshalb soll es ausgerechnet Arbeit sein, die uns keinen Spaß machen darf?

Urlaub gilt als Erlösungsprinzip für die ganze „Plackerei“. Das Gebot, in Pandemiezeiten nicht in den Urlaub zu fahren, ignorieren manche beflissentlich. Corona war und ist hart für alle. So viel am Rad drehen war noch nie. Die Menschen brauchen eine „Auszeit“.

(„Auszeit“, als könne man sich ein Aus von der Zeit nehmen. Folglich gibt es eine „Anzeit“, die Zeit, in der man unter Strom steht und „funktioniert“.)

„Diese Freiheit lasse ich mir nicht nehmen.“ „Den Urlaub habe ich mir verdient.“ Also nimmt man ihn in Anspruch. Wieder Zuhause sitzt man dann allerdings erst mal in Quarantäne. Die Freiheit, die man sich einerseits nimmt, wird einem andererseits wieder genommen. 🤷🏼‍♀️

Steckt in der sprachlichen und damit mentalen Aushärtung des Arbeitsbegriffs noch etwas von der Wiederaufbaumentalität der Nachkriegszeit drin? Einer nicht vollständig überwundenen Kränkung durch Niederlage?

Nur, wer sich richtig „plagt“ und „schuftet bis zum Umfallen“ gilt in den Augen vieler als vollwertiger Arbeiter. Erst dann genießt er das Recht auf Urlaubsanspruch.

Die Frage, ob diese Arbeit oder dieser Urlaub sinnvoll oder effizient ist, ist dabei nicht zweit- oder drittrangig. Sie allein zu stellen scheint ein Sakrileg zu sein. Vor allen Dingen bezüglich des Arbeitsbegriffs.

Anführungszeichen galore! Aber wie seht ihr das Thema „in den Urlaub fahren“, speziell in diesen Zeiten?


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